Von allen Print- und Online-Medien relativ unbehelligt, fährt die DB AG einmal wieder mit reduziertem Wagenangebot. Eine Übersicht der betroffenen Züge stellt die Bahn nicht bereit. Der Fahrgast und nach eigenen Aussagen sogar das Bahnsteigpersonal der Bahn darf sich überraschen lassen. Dies sorgt in den normalerweise in zwei Zugteilen fahrenden ICEs (Wagen 21-27 und 31-37), die derzeit nur einteilig fahren, für Kundennähe der speziellen Art. Die Bahn versteht wohl unter Kundennähe, die Nähe von Kunde zu Kunde. In betroffenen Zügen kann es schon einmal vorkommen, dass Sie Ihren reservierten Sitzplatz – obwohl Sie nur noch 10m entfernt sind – nicht einnehmen können, weil sich zwischen Ihnen Mitreisende und deren Gepäck stapeln (Autor spricht aus eigener Erfahrung). Da ist Akrobatik und ein geregelt Maß an Kommunikationsfreudigkeit gefragt. Eine Laufschrift im Wageninneren zeigt den folgenden Infotext: “Reservieren Sie für Ihre Bahnreise Ihren persönlichen Sitzplatz, denn so kommen Sie auf jeden Fall entspannt an Ihr Ziel.” Die Antwort der Fahrgäste: Gequältes lächeln und kopfschütteln.
Dies lässt sich sogar noch steigern. Das Internetportal der Wirtschaftswoche wiwo.de meldet: Ein den Massen gegenüber hilfloser und allein gelassener Zugchef forderte am Abend des 14. Januar die Fahrgäste des ICE 104 von Frankfurt Flughafen nach Köln auf, den Zug wegen Überfüllung zu verlassen. Sofern nicht genügend Passagiere aussteigen würden, müsse er den Zug durch die Bahnpolizei räumen lassen.
Die Bahn stellt zu der Misere, für Reisende kaum auffindbar, äußerst spärliche Informationen bereit.
So finden Sie diese Information, wenn Sie wie folgt vorgehen:
1) Rufen Sie die Webseite www.bahn.de auf.
2) Klicken Sie im Menü Fahrplan & Buchungen den Menüeintrag Fahrplaninformationen für Ihre Reise.
3) Klicken Sie in etwa in der Mitte der Webseite unter Aktuelle Informationen auf den Verweis zu Fahrplanänderungen/Baustellen.
4) Klicken Sie in etwa in der Mitte der Webseite auf den Verweis Zu den kurzfristigen Fahrplanänderungen.
5) Klicken Sie in der Zeile Informationen des Fernverkehrs finden Sie den Verweis hier.
Folgende Meldung wurde am 24.01.2010 12:32 Uhr angezeigt:
ICE zwischen München und Hamburg/Bremen verkehren nur mit Zugteil nach Hamburg Aus witterungsbedingten Gründen verkehren die zweistündlichen ICE zwischen München und Hamburg/Bremen vorerst einteilig, d.h. mit halber Sitzplatzkapazität. Dabei werden grundsätzlich die Wagen mit den Ordnungsnummern 31 - 37 eingesetzt (Zuglauf München - Würzburg - Hannover - Hamburg); die Wagen 21 - 27 (Zugteil München - Hannover - Bremen) entfallen. Das bedeutet, dass Reisende zwischen Hannover und Bremen bis auf wenige Ausnahmen in einen Regionalexpress der Relation Hannover - Bremen umsteigen müssen. Die zweistündlichen ICE der Relation München - Hamburg über Nürnberg verkehren in planmäßiger Zugbildung. Letzte Aktualisierung: 23.01.2010 20:00 Uhr - ZTP-Frankfurt
Welcher ICE nun zu welcher oben aufgeführten Strecke oder zu welchem Zuglauf gehört, kann der geneigte Fahrgast ja selbst herausfinden.
Falls Sie die o.g. Webseite schneller finden wollen. Hier ist die Internetadresse: Meldungen für den Fernverkehr.
Die Bahn (DB AG) spricht von witterungsbedingten Gründen. Sie als Leser werden sich sicher auch an strengere Winter als an diesen Winter erinnern können. WELT ONLINE hat am 16.01.2010 einen Artikel “Bahn friert ICE-Sanierung ein” und wiwi.de heute am 24.01.2010 den Artikel “Riskante Sparpolitik sorgt für Chaos bei der Bahn” zu diesem Thema veröffentlicht. Es bleibt Ihnen überlassen, sich zu den Angaben der Bahn eine Meinung zu bilden.
Gleichzeitig wirbt die Bahn mit den Überschriften “Wir fahren Sie direkt an den Skilift” oder “Verbringen Sie die schönsten Tage des Winters bei einem unserer Partner in den Skigebieten Österreichs – natürlich alle bestens erreichbar mit der Bahn”.
Ein Tipp für alle betroffenen Leser, die bis hierher durchgehalten haben. Wenn möglich, suchen Sie sich doch einen ICE der ersten Generation aus. Diese fahren ja sowieso nur einteilig. Wenn Sie in einem ICE1 buchen, sind Sie wenigstens sicher, dass der Zugteil in dem Sie einen Sitzplatz reserviert haben auch im Bahnhof einfährt. Immer vorausgesetzt, die Bahn ändert nicht auch noch Ihre Zugzusammenstellungen.
Ach ja, ich vergaß zu erwähnen, daß die Bahn natürlich auch keine Information im Buchungsportal anbietet, aus der Sie entnehmen können, welche Zugnummer (z.B. ICE 598) mit welcher ICE-Generation gefahren wird. Sie könnten die ICE-Generation anhand der Wagennummern erkennen. Die ICEs der Generation 1 haben die Wagennummern 1 bis 14 (Wagen 13 fehlt). Die ICEs der folgenden Generationen haben die Wagennummern 21 bis 27 und 31 bis 37. Diese Informationen bekommen Sie bei der Onlinebuchung allerdings erst nach erfolgter Buchung zu sehen.
Wie gut, dass es immer wieder fleißige Menschen gibt, die uneigennützig recherchieren, z.B. Herrn Marcus Grahnert. Folgen Sie auf seiner Homepage fernbahn.de einfach dem Verweis Wagenreihungen DB-Fahrplan 2010. Dort können Sie PDFs zu den verschiedenen Zugnummern und deren Wagenreihung herunterladen.
Und abschließend noch ein Wort zu den Preisen der Bahn. WELT ONLINE hat im Februar 2008 die Preisentwicklung der Bahn seit 1971 recherchiert. Fazit war: Bahn fahren wird immer teurer. Vor allem für den ICE muss man immer tiefer in die Tasche greifen. Wer allerdings mit dem Bummelzug zufrieden ist, kann sich über Ticketpreise freuen, die seit Jahren stabil sind. Das Problem sei allerdings, Alternativen zum teuren ICE zu finden. Wer sparen will, hat auf vielen Strecken kaum mehr eine Auswahl ohne übermäßig umständlich “über die Dörfer” fahren zu müssen.
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